Der nächste Last Soul Ultra worldwide steht fest: Nach dem Rekord-Rennen von Bornheim 2026 startet die Backyard Ultra World Series 2027 (Season 3) im Februar 2027 mit dem USA-Qualifier. Es ist der Auftakt einer weltweiten Serie nach dem Motto „Three qualifiers. One final.” – USA im Februar, UK im April, Australien im Juni und das Finale im August 2027 in Deutschland.

Dieser Guide bündelt alles, was bisher offiziell bestätigt ist – plus den kompletten Kontext: Wie das Format funktioniert, wie du dich fürs Finale qualifizierst, wie die Anmeldung per Lottery läuft, was das Rennen von Bornheim so besonders gemacht hat und wie du dich als Athlet oder Zuschauer vorbereitest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nächster Termin: Februar 2027, USA (exakter Tag und Venue werden noch bekannt gegeben)
  • Format: Backyard Ultra – 6,706 km jede volle Stunde, bis nur noch eine Person übrig ist
  • Kapazität USA: 200 Athleten – 50–100 per Auswahl durch das LSU-Team, Rest per Los
  • Anmeldung: Account auf lastsoulultra.com anlegen und dort „Request a race entry” für das USA-Event stellen (eine Bewerbung pro Person, echter Name)
  • Danach: UK-Qualifier April 2027, Australien-Qualifier (mit DCG) Juni 2027, Finale August 2027 in Deutschland
  • Quali fürs Finale: pro Qualifier-Rennen Top 15 overall + Top 5 Frauen (Gleichstand zählt mit, keine Weitergabe bei Doppel-Quali)
  • Zuschauer: vor Ort nicht zugelassen – Livestream und Live-Ergebnisse über @lastsoulultra

World Series 2027: Die vier Termine im Überblick

# Event Datum Ort Kapazität / Status
1 USA Qualifier Februar 2027 USA (Venue noch offen) 200 Athleten, Anmeldung per Lottery offen
2 UK Qualifier April 2027 United Kingdom (Venue noch offen) 200 Athleten, Coming soon
3 Australien x DCG Qualifier Juni 2027 Australien (Venue noch offen) 200 Athleten, Coming soon
4 Finale August 2027 Deutschland nur per Qualifikation

Veranstalter ist die Last Soul IP GmbH (vertreten durch Kim Gottwald und Alexander Krenzek). Die genauen Venues werden laut Veranstalter erst nach Bestätigung veröffentlicht – der Ort wird bewusst geheim gehalten, um Sicherheit und reibungslosen Ablauf zu garantieren. Alle Events laufen im identischen Backyard-Format, ausführlich erklärt hier: Backyard Ultra erklärt: Das Lauf-Format ohne Ziel.

Ein spannendes Detail am Rande: Die interne Event-Kennung für die USA-Anmeldung deutet auf Tennessee hin – die Heimat des Mutter-Events Big’s Backyard Ultra. Offiziell bestätigt ist das nicht, es passt aber ins Bild: Wer eine World Series im Backyard-Format startet, startet sie am liebsten dort, wo alles begann.

Von Bornheim zur World Series: Was bisher geschah

Der Last Soul Ultra wurde von Ultraläufer und Content Creator Kim Gottwald gemeinsam mit Ex-Fußballweltmeister André Schürrle ins Leben gerufen – 2026 präsentiert zusammen mit rappid. Das Prinzip: bewusste Reduktion statt Event-Schnickschnack. Kein Stromanschluss, Wasser in Kanistern, Verpflegung bringt jeder selbst mit. Kein Publikum vor Ort, dafür Livestream rund um die Uhr mit zeitweise über 40.000 Zuschauenden.

Season 1 – 3. Oktober 2025, Bornheim

93 Seelen am Start, Startschuss 12 Uhr mittags. Sieger Kim Gottwald selbst mit 67 Yards (ca. 449 km) – vor Ayyoub „Ello” El Osrouti, der erst in der allerletzten Runde wegen einer Achillessehnenreizung aufgeben musste. Bei den Frauen gewann Kathrin Reichelt mit 20 Runden (134 km). Was als „außergewöhnliches Experiment” startete, wurde über Nacht zum meistdiskutierten Ultra-Event des Jahres im deutschsprachigen Raum.

Season 2 – 14. bis 18. August 2026, Bornheim: das Rekord-Rennen

160 Läuferinnen und Läufer gingen am Freitag um 14 Uhr auf die 6,7-km-Schleife am Waldorfer Weg – darunter Backyard-Weltmeister Harvey Lewis (USA, PB 111 Runden), der deutsche Rekordhalter Hendrik Boury (PB 100 Runden) und Go-One-More-Sieger Mark Dowdle (USA). Titelverteidiger Gottwald musste kurzfristig passen: Nach dem Go One More Ultra im April zeigte ein MRT ein Knochenödem mit Haarriss im rechten Fuß – Vorstufe einer Stressfraktur. Er moderierte das Rennen stattdessen durchgehend bis zur letzten Runde.

Was dann passierte, sprengte alle Erwartungen:

  • 57 Läufer waren nach 24 Stunden (100-Meilen-Marke) noch im Rennen
  • 13 Läufer waren nach 48 Stunden noch dabei
  • Norman Mascher-Aspensjö – zweifacher deutscher 24-Stunden-Meister, mit einer PB von gerade mal 38 Runden angereist – hielt bis 80 Runden (536 km) durch und wurde Dritter
  • 13 Stunden lang kreisten in der vierten Nacht nur noch zwei Männer durch den Wald: Dowdle und El Osrouti, ganz allein auf der Strecke
  • Um 4 Uhr morgens, in seiner vierten Nacht ohne richtigen Schlaf, rannte Mark Dowdle auf Runde 87 eine 38:15 – seine schnellste Runde des gesamten Rennens, viereinhalb Minuten schneller als sein zweitbester Umlauf
  • Am Ende: Mark Dowdle gewinnt mit 94 Yards (629,8 km), Assist Ayyoub „Ello” El Osrouti mit 93 Yards (623,1 km) – die zweitbeste deutsche Backyard-Leistung jemals

Die Zahlen des Duells erzählen eine eigene Geschichte: El Osrouti war über das ganze Rennen der schnellere Läufer (Schnitt 48:29 pro Runde gegen Dowdles 51:42) und sammelte so über vier Tage fünf Stunden mehr Ruhezeit an. Dowdle, der im April schon den Go One More Ultra mit 73 Runden gewonnen hatte, verbesserte seine eigene Bestleistung um 21 Runden – und schrie sich in der letzten Nacht lautstark durch den Wald, immer an der Grenze zum Psychospiel, nie darüber hinaus.

Hinter der Spitze schrieb Caroline Maria Bolte Geschichte: Bei ihrem ersten Backyard überhaupt lief sie 52 Runden (348,4 km), wurde Neunte overall und stellte den deutschen Frauen-Rekord ein. Harvey Lewis, der zweifache Backyard-Weltmeister, stieg nach 46 Runden aus. Der 68-jährige Hubert Karl lief 45 Runden – Altersklassen-Rekord.

Die Top 10 von Bornheim 2026:

Platz Name Runden Distanz
1 Mark Dowdle (USA) 94 629,8 km
2 Ayyoub „Ello” El Osrouti (DE) 93 623,1 km
3 Norman Mascher-Aspensjö (DE) 80 536,0 km
4 Hendrik Boury (DE) 68 455,6 km
5 Martin Stiller (DE) 66 442,2 km
6 Norman Junker (DE) 56 375,2 km
7 Dennis Musche (DE) 54 361,8 km
8 Adrian Gröschner (DE) 53 355,1 km
9 Caroline Maria Bolte (DE) 52 348,4 km
10 Tom Kopke (DE) 50 335,0 km

Genau dieses Rennen ist die Vorlage für die World Series: 200er-Felder, internationale Spitze, vier Tage Renndauer – und ein Finale in Deutschland, das noch einmal alles übertreffen soll.

So funktioniert das Format: vier Regeln, sonst nichts

Der Last Soul Ultra folgt dem klassischen Backyard-Ultra-Format, erfunden von Gary „Lazarus Lake” Cantrell (dem Mann hinter den Barkley Marathons) auf seinem Grundstück in Bell Buckle, Tennessee:

  1. Alle starten gemeinsam – jede volle Stunde aus demselben Korral, mit Glocke. Warnsignale 3, 2 und 1 Minute vorher. Kein versetzter Start, keine Setzung: Der Ersttäter steht neben dem Weltrekordhalter.
  2. 6,706 km in 60 Minuten – eine Runde („Yard”) muss vor dem nächsten Glockenschlag beendet sein, inklusive Anwesenheit im Korral. Die Zahl ist kein Zufall: 24 × 6,706 km ergeben exakt 100 Meilen (160,9 km) pro Tag.
  3. Glocke verpasst = raus – ohne Nachfrist, ohne Einspruch. Egal ob in Runde 3 oder Runde 93. Wer die Strecke verlässt (außer für den Toilettengang), wer sich auf der Runde helfen oder begleiten lässt, ist disqualifiziert.
  4. Eine Runde mehr als alle anderen gewinnt – der Sieger läuft zum Schluss eine Solo-Runde allein. Schafft das niemand mehr (weil die letzten Zwei beide scheitern), gibt es keinen Sieger – alle werden als DNF gewertet, der Letzte davor als „Assist” (Zweitplatzierter).

Der Rest ist Strategie: Essen, Schlafen, Umziehen und Materialwechsel müssen aus der selbst erlaufenen Zeit zwischen den Runden kommen. Wer 48 Minuten läuft, hat 12 Minuten Pause. Wer 58 Minuten läuft, hat zwei. Genau darin liegt die Grausamkeit – und die Faszination – des Formats.

Basecamp, Crew und Pflichtausrüstung: die Regeln im Detail

Die offizielle FAQ des Veranstalters lässt keinen Raum für Missverständnisse – bewusst karg, bewusst selbstverantwortlich:

  • Basecamp: Jeder Athlet bekommt ein markiertes 3 × 3 Meter großes Quadrat, vergeben nach dem Prinzip „first come, first served”. Wenn Läufer ausscheiden, rücken die Verbliebenen näher an die Startlinie heran.
  • Versorgung: Es gibt keinen Stromanschluss. Wasser wird in Kanistern gestellt. Verpflegung, Ausrüstung und Erholung sind komplett eigene Sache – der Veranstalter plant keine eigene Rennverpflegung. Wer das liest und an Gels denkt, hat noch keinen Backyard über 48 Stunden erlebt (dazu unten mehr).
  • Pflichtausrüstung: Eine funktionierende Stirnlampe muss in Dämmerung und Dunkelheit getragen werden. Ohne sie kein Start.
  • Crew: Vier Personen registrierbar, maximal drei gleichzeitig vor Ort (die vierte kann rotieren). Im Camp darf die Crew alles tun – aufbauen, kochen, massieren, wecken. Auf der Strecke ist jede Hilfe sofortiges DQ, auch das bloße Überreichen von Essen oder Ausrüstung. Crew darf die Strecke nicht betreten.
  • Zuschauer: vor Ort nicht zugelassen. Keine Ausnahme. Das hält das Rennen sicher und den Betrieb schlank.
  • Teilnahmevoraussetzung: Jeder Athlet unterschreibt vor dem Start einen Haftungsausschluss (Waiver), dessen Wortlaut vorab zur Verfügung gestellt wird.
  • Zeitlimit: Es gibt kein Gesamt-Zeitlimit und keine feste Zieldistanz – nur das Stundenlimit pro Runde. Das Rennen dauert, bis eine Seele übrig ist. In Bornheim 2026 waren das gut vier Tage.

Für Einsteiger in dieses Format lohnt der Grundlagen-Artikel: Backyard Ultra erklärt – und als körperliche Basis der Einstieg in den Ultramarathon.

So qualifizierst du dich fürs Finale in Deutschland

Das Finale im August 2027 in Deutschland ist eine reine Qualifikations-Veranstaltung. Qualifizieren tun vier Rennen: Bornheim 2026 sowie die drei Qualifier 2027 (USA, UK, Australien).

Pro Qualifier-Rennen gilt:

  • Top 15 overall qualifizieren sich
  • Top 5 Frauen qualifizieren sich zusätzlich
  • Gleichstand zählt mit: Wer dieselbe Rundenzahl wie Platz 15 bzw. Platz 5 der Frauen hat, qualifiziert sich ebenfalls
  • Ein Athlet, ein Platz: Doppelte Qualis werden nicht an den Nächstplatzierten weitergereicht

Zwei Rechenbeispiele, weil genau hier die Taktik beginnt:

  • Beispiel Gleichstand: Platz 15 schafft 50 Runden, Platz 16, 17 und 18 ebenfalls 50 Runden. Dann qualifizieren sich alle vier – der Cut läuft über die Rundenzahl, nicht über die Platznummer. In einem tiefen Feld wie Bornheim (wo Platz 15 bei 45 Runden lag) kann das den Unterschied zwischen „raus” und „Finale” bedeuten.
  • Beispiel Doppel-Quali: Eine Läuferin wird Gesamt-Zwölfte und Frauenerste. Sie belegt einen Final-Platz (keine zwei). Der frei werdende Frauenplatz rückt nicht nach – Platz 6 der Frauen bleibt draußen, es sei denn, sie liegt rundengleich mit Platz 5.

Weitere Quali-Wege können laut Veranstalter noch angekündigt werden (Stichwort „Soul Races”, siehe unten). Wer im Februar in den USA antritt, läuft also nicht „nur” einen Backyard – sondern direkt um ein Final-Ticket. Und angesichts von 200 Startern pro Qualifier ist Top 15 ein ehrgeiziges, aber machbares Ziel: In Bornheim reichten dafür 45 Runden (301,5 km).

Anmeldung USA-Qualifier: Schritt für Schritt an den Start

  1. Account anlegen auf lastsoulultra.com (Profil-Bereich).
  2. „Request a race entry” für das USA-Event wählen – im Veranstalter-Link trägt das Event die Kennung lsu-2027-tennessee.
  3. Formular mit echtem Namen ausfüllen – eine Bewerbung pro Person.
  4. Auswahl abwarten: 50–100 Plätze vergibt das LSU-Team per Auswahl (internationale Spitze, bekannte Athleten, Content Creator), der Rest per Los. Alle ausgewählten Athleten werden per E-Mail informiert und erhalten einen persönlichen Registrierungscode.
  5. Waiver unterschreiben, Crew registrieren (bis zu 4 Personen), Anreise planen.

Tipps für die Bewerbung: Das LSU-Team stellt das Feld bewusst gemischt zusammen – Ultrastars neben Ersttätern. Wer keine 80-Runden-PB vorweisen kann, punktet mit klarer Motivation, Backyard-Erfahrung aus Deutschland und Verlässlichkeit (Anreise, Crew, Selbstversorgung). Eine ehrliche Bewerbung schlägt eine aufgeblasene.

Kosten, Anreise und USA im Februar: ehrlich kalkuliert

  • Startgeld: Für 2027 hat der Veranstalter noch keine Gebühr publiziert. Zur Einordnung: 2025 lagen die Kosten bei 100 € pro Person inkl. MwSt. Rechne für die USA zusätzlich mit Flug, ESTA, Unterkunft und Mietwagen – der Venue wird erst nach Bestätigung veröffentlicht, plane also flexibel.
  • Einreise: Für deutsche Staatsangehörige reicht für touristische Aufenthalte bis 90 Tage in der Regel die ESTA-Genehmigung (rechtzeitig vor Abflug beantragen, Reisepass muss für die Aufenthaltsdauer gültig sein).
  • Wetter im Februar: Je nach Bundesstaat (Tennessee als wahrscheinlicher Austragungsort liegt im Südosten) musst du mit 0–12 °C, Regen und matschigem Untergrund rechnen – plus kalte Nächte im Zelt zwischen den Runden. Packe für Schlamm und Kälte, nicht für Sonnenschein.
  • Jetlag: Aus Deutschland fliegst du 7–9 Stunden Zeitverschiebung ein. Wer erst zwei Tage vorher landet, läuft die erste Nacht gegen die innere Uhr – plane mindestens 4–5 Tage Puffer vor dem Start ein, oder nutze den Jetlag taktisch (frühes Wachsein hilft in Nacht 1, rächt sich in Nacht 3).
  • Versicherung: Auslandskrankenversicherung mit Sportklausel für Ultra-Events prüfen – viele Standardtarife schließen Wettkämpfe über Marathon-Distanz aus.

Training für den Last Soul Ultra: vom Marathon zur letzten Seele

Voraussetzung in einem Satz: Erst Marathon oder 50-km-Ultra in den Beinen, dann Backyard. Wer noch nie länger als vier Stunden am Stück unterwegs war, sollte nicht mit einer World Series einsteigen, sondern mit einem deutschen Backyard oder dem 50-km-Einstieg.

Die vier Trainingsphasen (16 Wochen)

  • Phase 1 – Basis (Wochen 1–6): 5–6 Einheiten pro Woche, ein langer Lauf (2,5–4 h locker), ein Tempodauerlauf. Ziel: Puls unter Kontrolle – die LSU-Spitze läuft ihre Runden mit Puls unter 110. Struktur gibt der Marathon-Trainingsplan 16 Wochen.
  • Phase 2 – Back-to-Backs (Wochen 7–11): Samstags und sonntags je ein langer Lauf (z. B. 3 h + 2,5 h). Trainiert Ermüdungsresistenz besser als ein einzelner Monsterlauf. Dazu einmal pro Woche Gehen im Renntempo üben – im Backyard gehen fast alle ab Stunde 20.
  • Phase 3 – Simulation (Wochen 12–14): Mindestens eine Backyard-Simulation: 6,7 km jede Stunde, 6–12 Stunden lang, mit vollem Camp-Setup (Stuhl, Kiste, Essen, Stirnlampe). Teste Wechselroutine, Magen und Schlafstrategie unter echten Bedingungen.
  • Phase 4 – Taper (Wochen 15–16): Umfang halbieren, Intensität halten, Schlaf aufladen. Keine Experimente mehr an Schuhen, Socken oder Ernährung.

Pace-Strategie: die 48-Minuten-Regel

Die Lehre aus Bornheim: Konstanz schlägt Tempo. El Osrouti lief fast jede Runde zwischen 46 und 50 Minuten und bankte so Stunden an Pause. Dowdles schnellste Runde (38:15) war die Ausnahme, nicht die Regel – sein Schnitt lag bei 51:42.

  • Ziele auf 48–52 Minuten pro Runde in den ersten 24 Stunden
  • Laufe die ersten 3 Runden bewusst zu langsam (Adrenalin-Falle)
  • Lege Geh-Abschnitte von Anfang an fest (z. B. Anstiege immer gehen), statt erst zu gehen, wenn du musst
  • Ab Stunde 30 gilt: Ankommen statt Gas geben. Jede gesparte Minute ist Schlaf, Essen oder trockene Socken.

Essen und Trinken: Kalorien pro Stunde, nicht nach Hunger

Der Magen ist der häufigste Ausstiegsgrund – nicht die Beine. Regeln aus der Praxis:

  • 250–350 kcal pro Stunde, von Stunde 1 an – wer erst isst, wenn er Hunger hat, ist schon im Defizit
  • Echte Nahrung schlägt Gel-Monotonie: Reis, Kartoffeln, Brühe, Brot, Bananen. Gels nur als Ergänzung
  • Flüssigkeit + Elektrolyte pro Runde, Kaffee gezielt (Nacht 2 und 3), nie als Dauerlösung
  • Alles im Training getestet: Was der Magen nach 4 Stunden verträgt, ist individuell – nach 40 Stunden erst recht
  • Mehr Grundlagen: Ernährung vor dem Wettkampf

Schlafstrategie: der eigentliche Gegner

Ab Stunde 24 wird Schlafmangel zum Faktor, ab Stunde 48 zur Hauptursache für Ausstiege. Bewährt haben sich:

  • Powernaps von 8–12 Minuten zwischen den Runden (Wecker + Crew-Weckruf als doppelte Sicherung)
  • Nie länger als 15 Minuten – wer in Tiefschlaf fällt, verpasst die Glocke
  • Koffein in Wellen, nicht dauerhaft (z. B. gezielt zu Beginn von Nacht 2 und 3)
  • Lichtmanagement: Stirnlampe nachts, Sonnenbrille bei Tagesanbruch – der Körper folgt dem Licht
  • Crew als Schlaf-Wächter: Klare Absprache – wer weckt wann, was passiert bei „noch 3 Minuten”?

Packliste für 3 × 3 Meter (das komplette Camp)

Kategorie Mitnehmen
Laufen 2–3 Paar eingelaufene Schuhe (ein Paar eine Nummer größer für geschwollene Füße), 8+ Paar Socken, Wechsel-Outfits für Tag/Nacht/Regen, Regenjacke
Schlafen / Sitzen Feldbett oder Liegestuhl, Schlafsack + Decke (Februar!), Isomatte, Ohropax + Schlafmaske
Licht / Strom Stirnlampe + Ersatzlampe + Ersatzbatterien, Powerbank(s) – es gibt keinen Stromanschluss
Essen / Trinken Kocher + Topf (Brühe!), eigene Verpflegung für 48+ Stunden, Elektrolyte, Becher/Flaschen, Müllbeutel
Füße / Medizin Blasenpflaster, Tape, Desinfektion, Vaseline, Schmerzmittel (mit Arzt abgesprochen), persönliche Medikamente
Organisation Uhr mit Stundenalarm, ausgedruckte Checkliste, Crew-Plan mit Schichten, Waiver-Unterlagen

Stunde für Stunde: was dich im Rennen erwartet

  • Stunden 1–12 (0–80 km): Ultra-Atmosphäre, Gespräche, konstantes Tempo. Die größte Gefahr: zu schnell. Wer hier 42-Minuten-Runden läuft, zahlt in Nacht 2.
  • Stunde 12–24 (80–161 km): Die 100-Meilen-Marke in 24 Stunden – erste große Hürde. In Bornheim schied hier der Großteil des Feldes aus (von 160 auf 57).
  • Stunden 24–36 (161–241 km): Der mentale Kampf beginnt. Monotonie, erste Schlafhalluzinationen, Magenprobleme. Hier trennt sich das Feld in „Überlebende” und „Aufgebende”.
  • Stunden 36–48 (241–322 km): Königsklasse. In Bornheim waren hier noch 13 dabei. Jede Pause wird zur Operation: Essen, Umziehen, 10 Minuten Schlaf, zurück in den Korral.
  • Stunden 48+ (322 km und mehr): Niemandsland. 2026 liefen nur drei Menschen so weit. Hier entscheiden Minuten, Crew-Routine und die Fähigkeit, Runde für Runde neu anzufangen – ohne an Runde 90 zu denken.

Einordnung: Wo steht der Last Soul Ultra in der Backyard-Welt?

Rekord Halter Runden Distanz
Weltrekord Männer Phil Gore (AUS), Dead Cow Gully 2025 119 797,9 km
Weltrekord Frauen Sarah Perry (GBR), WM Tennessee 2025 95 637,0 km
Ex-Weltrekord Harvey Lewis (USA), Big’s 2023 108 724,0 km
Deutscher Rekord Hendrik Boury 100 670,6 km
Rekord auf deutschem Boden Mark Dowdle, LSU Bornheim 2026 94 629,8 km
Deutscher Frauen-Rekord Caroline Maria Bolte, LSU 2026 52 348,4 km
LSU 2025 Kim Gottwald, Bornheim 67 448,9 km

Zum Vergleich: Das Mutter-Event Big’s Backyard Ultra in Tennessee läuft seit 2011, die Team-WM 2024 in Belgien endete bei 110 Runden. Was LSU besonders macht, ist nicht die absolute Rundenzahl, sondern die Inszenierung: Social-Media-Event mit Livestream, kuratiertem Feld aus Elite und Creatorn – und jetzt einer echten World Series mit Qualifikationssystem. Der Australien-Qualifier läuft bezeichnenderweise mit DCG – Dead Cow Gully, der Farm, auf der Phil Gore seinen Weltrekord lief.

Soul Races: das Affiliate-Netzwerk (Ausblick)

Neben der World Series baut LSU ein zweites Standbein: Soul Races – unabhängige Backyard-Ultras weltweit, die das LSU-Format laufen und den Namen tragen. Einträge, Preise und Erstattungen laufen über die jeweiligen Veranstalter; im Gegenzug werden die Rennen auf lastsoulultra.com gelistet – und ihre besten Läufer können sich einen Platz beim Last Soul Ultra verdienen.

Stand September 2026 sind noch keine Soul Races gelistet („No Soul Races are listed yet. Be the first.“). Wer einen eigenen Backyard veranstaltet, kann sich als Host bewerben. Für die Serie ist das der logische Unterbau: lokale Quali-Rennen, die in Zukunft zusätzliche Final-Tickets vergeben könnten – der Veranstalter hat weitere Quali-Wege bereits angekündigt.

Für Zuschauer aus Deutschland: so verfolgst du die USA-Premiere

  • Kein Publikum vor Ort – das gilt für alle LSU-Events. Jede startende Person darf lediglich bis zu drei Crew-Mitglieder mitbringen.
  • Livestream: über Instagram (@lastsoulultra), YouTube (@kim.gottwald), Twitch (kim_gottwald) sowie alle Links auf linktr.ee/lastsoulultra. Die Live-Berichterstattung für 2027 ist als „coming soon” angekündigt – folgen lohnt sich früh.
  • Zeitverschiebung beachten: Tennessee liegt 7 Stunden hinter Deutschland (EST). Ein Start um 14 Uhr Ortszeit bedeutet 21 Uhr in Deutschland – die entscheidenden Nächte laufen für deutsche Zuschauer bis in den Nachmittag.
  • Live-Ergebnisse: Detaillierte Runden-Protokolle gab es 2026 auf backyards.run und SPOFERAN – für 2027 werden die Links erfahrungsgemäß kurz vor dem Start veröffentlicht.

Deutsche Alternativen zum Überbrücken

Wer nicht bis Februar warten (oder nicht in die USA fliegen) will: Die deutsche Backyard-Szene wächst, alle Termine stehen im Ultra-Kalender. Direkt aus unserem Backyard-Guide:

Datum Event Ort
15.08.2026 2. Backyard Ultra-Marathon Tharandter Wald Dresden
04.09.2026 6. Fränkischer Backyard Ultra Nürnberg
05.09.2026 Munich Backyard 2026 – 4. Edition München
26.09.2026 KRHU – Kreuzhorst Ultra (Backyard) Magdeburg
26.09.2026 5. Tuttlinger Backyard Ultra Bräunlingen
24.10.2026 1. Bergstraße Backyard Ultra Heidelberg
07.11.2026 6. Weserbergland Backyard Ultra Detmold

Jeder dieser Läufe ist die perfekte Generalprobe für die Series – oder die ehrliche Standortbestimmung, ob ein USA-Trip überhaupt Sinn ergibt.

Häufige Fragen zum Last Soul Ultra 2027

Wann genau findet der USA-Qualifier statt? Nur der Monat ist offiziell bestätigt: Februar 2027. Exakter Tag und Venue werden vom Veranstalter nach Bestätigung auf der World-Series-Seite veröffentlicht.

Wo in den USA findet das Rennen statt? Offiziell nur „United States”. Die interne Event-Kennung deutet auf Tennessee hin – bestätigt ist das nicht. Der Venue wird aus Sicherheitsgründen grundsätzlich geheim gehalten.

Wie bewerbe ich mich? Account auf lastsoulultra.com anlegen, „Request a race entry” für das USA-Event stellen, eine Bewerbung mit echtem Namen. 50–100 Plätze per Auswahl, Rest per Los.

Was kostet die Teilnahme? Für 2027 noch nicht publiziert. 2025 lag das Startgeld bei 100 € inkl. MwSt. Dazu kommen Anreise, Unterkunft und Verpflegung – rechne für die USA mit einem vierstelligen Gesamtbudget.

Kann ich als Zuschauer vor Ort dabei sein? Nein. Zuschauer sind nicht zugelassen, nur registrierte Crew (max. 3 gleichzeitig vor Ort). Verfolge das Rennen im Livestream.

Wie viele Frauen qualifizieren sich fürs Finale? Pro Qualifier die Top 5 der Frauenwertung zusätzlich zu den Top 15 overall – bei Rundengleichstand mit Platz 5 qualifizieren sich alle Gleichplatzierten mit.

Was passiert bei Gleichstand an der Quali-Grenze? Alle Athleten mit derselben Rundenzahl wie Platz 15 (bzw. Platz 5 der Frauen) qualifizieren sich ebenfalls. Es gibt keinen Losentscheid an der Grenze.

Rückt bei Doppel-Quali jemand nach? Nein. Wer sich doppelt qualifiziert (z. B. über zwei Rennen oder Overall + Frauenwertung), belegt einen Platz – der „freie” Platz wird nicht an den Nächsten weitergereicht.

Ist der Last Soul Ultra für Anfänger geeignet? Als erstes Ultra: nein. Als erstes Backyard nach Marathon- oder 50-km-Erfahrung: unbedingt – aber starte mit einem deutschen Backyard, nicht mit der World Series in den USA.

Wo finde ich Ergebnisse und Livestream? Auf lastsoulultra.com (Results-Bereich), bei @lastsoulultra auf Instagram, YouTube und Twitch sowie auf den Ergebnis-Portalen backyards.run und SPOFERAN.

Fazit

Der USA-Qualifier im Februar 2027 ist der logische nächste Schritt nach Bornheim: größeres Feld, internationale Besetzung, direkter Weg ins Deutschland-Finale im August. Wer dabei sein will, bewirbt sich jetzt per Lottery – und trainiert Rhythmus statt Renngeschwindigkeit: konstante 48-Minuten-Runden, Kalorien pro Stunde, Schlaf in 10-Minuten-Häppchen und ein Camp, das auf 3 × 3 Metern alles bereithält.

Denn beim Last Soul Ultra gewinnt nicht der Schnellste, sondern die letzte Seele, die noch eine Runde kann. Nach 94 Runden und 630 Kilometern von Bornheim liegt die Messlatte für 2027 hoch – und genau das macht die World Series so sehenswert, ob im Livestream aus Deutschland oder im Korral in den USA.

Stand: September 2026. Exakte Starttage, Venues und Startgelder der 2027er-Serie werden vom Veranstalter nach Bestätigung veröffentlicht – wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald die USA-Location und das Anmeldefenster fix sind. Alle deutschen Backyard-Termine findest du im Ultra-Kalender, die Format-Grundlagen im Backyard-Guide und die Ultra-Basis im Ultra-Einstieg.

Quellen